Tierarzt Dr. med. vet. Gerit Matthesen

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VON JULIA RAU (TEXT UND FOTOS)

PM-Gruppe

Zu einem Abend für Pferdefreunde fanden sich über 300 Persönliche Mitglieder der FN und Reitsportbegeisterte aus ganz Rheinland-Pfalz und Hessen beim Autohaus Siegmann in Wiesbaden-Biebrich ein, nur einen Steinwurf vom Schloßpark, dem Austragungort des Pfingstturniers entfernt. Mit Olympiareiterin Ingrid Klimke, FEI-Tierarzt Dr. Gerrit Matthesen (Mitte) aus Grävenwiesbach im Taunus und Bruno Six (links), dem bekannten Ausbilder, Richter und Auktionator war ein hochkarätiges Trio Vielseitigkeitsbegeisterter angetreten, um unterschiedliche Aspekte einer harmonischen Beziehung von Mensch und Pferd zu beleuchten (hier mit den Gastgebern, dem Ehepaar von Harder vom Autohaus Siegmann).

Dr. Matthesen

Humorvoll und auch kritisch stellte Bruno Six die Frage nach dem passenden Pferd: "Wer denkt schon beim Kauf eines jungen Tieres daran, dass er Verantwortung für die nächsten 20, 25 Jahre übernimmt und ihm in dieser Zeit Kosten von über 70.000 Euro für Unterbringung, Futter, Hufschmied, Tierarzt usw. entstehen?!" Dr. Gerrit Matthesen (Foto) widmete sich der Gesunderhaltung des Pferdes und nahm kein Blatt vor den Mund: "Die Mindestgröße einer Box sollte drei mal drei Meter betragen. Ich kenne außer in Bonn-Rodderberg keinen Veranstalter, bei dem die Boxen so groß sind."

Doch nicht nur auf Turnieren läßt die Stallsituation zu wünschen übrig: "Die immer mehr um sich greifenden Allergien und Atemwegserkrankungen sind immer erworben, nie angeboren." Viel zu oft wird in Ställen jede Luftbewegung vermieden und beim Misten versäumt, uringetränkte Einstreu zu entfernen: "Da Ammoniak schwerer als Luft ist, atmet das Pferd beim Schlafen permanent dieses die Atemwege reizende Gas ein und soll dann am nächsten Morgen mit geschwollenen Schleimhäuten wieder Höchstleistungen bringen."

"Auch die im Freien gelagerten Strohballen bergen Gefahren, denn wenn sich Schimmelpilze auf der feuchten Außenschicht ansiedeln, dringen ihre unsichtbaren Fäden mit dem Sporen bis tief ins Innere des Ballens vor." Auch dem Futter wird zuwenig Beachtung gewidmet: "Müsli darf wegen der leicht verderblichen Ölzusätze nach dem Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr gefüttert werden. Silage muß so trocken und wohlriechend sein, dass Sie ein Handvoll in der Tasche mit in die Oper nehmen können."

Die Vorbeugung von Krankheiten und Verletzungen nahm einen breiten Raum im Referat des FEI-Tierarztes ein: "Drei Jahre ist die absolute Untergrenze beim Anreiten. Die Wachstumsfugen sollten geschlossen sein, was bei manchen Pferden auch länger dauern kann." Ein hoher Anspruch, der im Widerspruch zur gängigen Praxis auf Auktionen und Nachwuchs-Championaten steht. Doch eine zu frühe Belastung birgt die Gefahr von Verletzungen, die zu dauerhaften Probleme im Bereich der Muskulatur führen können. Auch der psychologische Aspekt darf nicht vergessen werden: "Das Pferd muß Freude an der Arbeit haben und zum Mitdenken angeregt werden."

© Verlag Nahr, D-93109 Wiesent/Germany, Waffenschmiede 1

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